Aluminium Boote

Aluminium ist im Vergleich zu Stahl oder Holz ein recht junger Werkstoff im Bootsbau.

Wo im Sport- und  Freizeitbootbereich glasfaserverstärkter Kunststoff (GFK) die klassischen Baustoffe ersetzt hat, wird bei Arbeitsbooten trotz des höheren Materialpreises zunehmend auf Aluminium gesetzt. Die Gründe dafür sind leicht nachvollziehbar.

Arbeitsboote sind keine Liebhaberstücke. Sie müssen dem harten Alltag bei Behörden, Rettungskräften, und im Wasserbau standhalten.

Dabei geht es oft um Notfälle oder gar um Menschenleben. Rempler und Grundberührungen sind nicht zu vermeiden und auf das Boot selbst kann im Einsatz keine Rücksicht genommen werden. GFK, Stahl oder gar Holz sind diesen Anforderungen aus unterschiedlichen Gründen nicht gewachsen.

Holz

Holz ist zwar der klassische Bootsbauwerkstoff schlechthin, aber mit einem immensen Pflege- und Wartungsaufwand verbunden. Holzboote werden heute nur noch von Liebhabern unterhalten und sind im gewerblichen Einsatz kaum noch anzutreffen.

Stahl

Stahl ist etwa dreimal so schwer wie Aluminium. Da Aluminium weicher ist, sind dickere Wandstärken erforderlich, die Gewichtseinsparung liegt dennoch bei circa 50 %.

Außerdem hat Stahl die unangenehme Eigenschaft zu rosten, was besonders beim Einsatz in Salzwasser eine entscheidende Rolle spielt. Auch moderne Beschichtungen helfen nur, solange sie nicht beschädigt sind. Jeder Kratzer muss sofort ausgebessert werden, wenn der Rost die Beschichtung nicht unterwandern soll. Aluminium ( ALMG 4,5) korrodiert zwar an der Oberfläche auch, aber das ist lediglich ein optisches Problem, da diese Oxidschicht als Seewasserbeständig gilt.

GFK

GFK ist für den harten Einsatz zu spröde und auch etwa 30 % schwerer als Aluminium.

Wo bei einem ordentlichen Rempler oder einer Grundberührung Aluminium allenfalls verbeult, kann GFK bereits splittern oder reißen. Neben der Gefahr eines großen Lecks sind aber auch kleine Risse oder Kratzer im Gelcoat höchst gefährlich.

Wird die Stelle nicht umgehend repariert, dringt Feuchtigkeit in die Laminatstruktur ein.

Delaminierungen und die gefürchtete Osmose sind die Folge. Die strukturelle Festigkeit des Rumpfes ist dann nicht mehr gegeben und Reparaturen sind allenfalls Flickerei. Der ursprüngliche Faserverbund kann nicht wieder hergestellt werden.

Bei einem Aluminiumboot dagegen kann, wenn schlichtes Ausbeulen kein befriedigendes Ergebnis bringt, der betroffene Bereich durch Einschweißen einer neuen Aluminiumplatte auch strukturell in den Neuzustand versetzt werden.

Aluminium hat eigentlich im Bootsbau nur einen Nachteil, es ist  teuer.

Die etwas höheren Anschaffungskosten machen sich aber im professionellen Einsatz schnell bezahlt. Das geringere Gewicht erlaubt nicht nur eine sparsamere Motorisierung und damit langfristig auch geringere Spritkosten, geringeres Gewicht erlaubt auch einen kleineren Trailer und damit auch ein kleineres, sparsameres Zugfahrzeug.

Rettungskräfte setzten gern auf Aluminium, weil ein leichteres Boot im Ernstfall auch mal ohne Sliprampe mit reiner Manpower ins Wasser „gezerrt“ werden kann und der Rumpf selbst bei solcherlei Misshandlung keinen Schaden nimmt. Die höheren Kosten der Anschaffung rechnen sich durch geringeren Korrosionsschutz, das bedeutet: weniger Farbeinsatz. Für solchen Einsatz werden Aluboote gebaut.

Boote aus Aluminium

Aluminiumboote finden sich aber lange nicht mehr nur im professionellen Einsatz. Auch passionierte Angler und Abenteurer, die Wert auf leichte, langlebige und nahezu „unkaputtbare“ Boote legen, entscheiden sich immer öfter für Aluminium als Material der Wahl. Was sich im Berufsalltag tausendfach bewährt hat, kann auch beim Hobby überzeugen.

Ein weiteres Argument ist auch die hohe Wertstabilität. Aluminium ist ein sehr „ehrlicher“ Werkstoff.

Keine Osmosegefahr, keine flüchtig überpinselten Rostlöcher, auch ein Laie kann den Zustand eines Alurumpfes leicht beurteilen. Gebrauchte Aluminiumboote erzielen daher überdurchschnittlich hohe Preise.

Ökologische Überlegungen

Schlussendlich bleibt auch noch der ökologische Aspekt. Abgesehen von geringerem Spritverbrauch von Boot und Zugfahrzeug ist Aluminium auch im Recyclingkreislauf ein begehrter Rohstoff.

Wo ein Holzboot im Lagerfeuer endet oder ein GFK-Rumpf teuer entsorgt werden muss, bringt ein Aluminiumboot, so es denn tatsächlich irgendwann mal entsorgt werden soll, beim Schrotthändler immer noch eine ordentliches Sümmchen ein.

Wobei die Germania VI als erste, voll geschweißte Aluminium Yacht der Welt, seit 1963 über 220.000 Seemeilen zurückgelegt hat und als Qualtät „Made in Germany“ heute noch, nach über 50 Jahren ihren Dienst auf den Meeren dieser Welt versieht.

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